100 jahre bauhaus

max bill, jakob bill, david bill:
drei generationen im vergleich

23. februar 2019 – 14. juni 2019

Mit Max, Jakob und David Bill kommen drei Generationen einer Künstlerfamilie in die kunsthalle messmer. Zu  Ehren des 100-jährigen Jubiläums des Bauhauses sind insgesamt ca. 90 Werke zu sehen, die trotz der selben Kunstrichtung, der sich die drei Künstler verschrieben haben, auf unterschiedliche Weise mit konkreter Kunst auseinandersetzen und jeweils einen individuellen Zugang dazu suchen und aufzeigen.

Plakat zu der Ausstellung (c) messmer foundation

Max Bill (1908 – 1994) stellt als einer der wichtigsten Vertreter der konkret-kontruktiven Kunst wissenschaftliche Paradigmen und mathematische Formeln in einen streng konstruierten, künstlerischen Zusammenhang. Die Lehren der Bauhausschule, an welcher er zwischen 1927 und 1928 studiert hat, sollten dabei seinen weiteren Schaffensweg bis auf weiteres prägen. In seinem Schaffen finden sich Elemente von Architektur, Design sowie bildender- und angewandter Kunst zu einem harmonischen Zusammenspiel vereint. 1951 gründet Max Bill gemeinsam mit Otl Aichinger und Inge Scholl die HfG Ulm, für welche er das Gebäude selber entwarf und als Gründungsrektor tätig war.
Bills Sohn Jakob Bill (*1942) übernimmt den wissenschaftlich-theoretischen Zugang zur Kunst seines Vaters, hat jedoch völlig andere Wege in seinem Œuvre eingeschlagen und konzentriert sich voll und ganz auf die Malerei. Grundlage seiner Arbeiten bildet ein geometrisierter Formenkanon mit ätherisch anmutenden Farbverläufen, welcher kennzeichnend für dessen Schaffen ist.
Der Enkel David Bill (*1976 – 2018) legt seinen Fokus auf die Auseinandersetzung mit Raum und Raumaufteilung. Flächen und Objekte werden in immer neuen Formvariablen zusammengefügt, getrennt und wieder neu zusammengesetzt. Mittelpunkt seiner Überlegungen ist dabei stets der Kubus. Die Farben schwarz und weiß betonen eben jenes Raumspiel und verleihen seinen Werken zusätzliche Dynamik.
Neben dem Universalgenie Max Bill, stellt die kunsthalle messmer seinen Sohn Jakob Bill und Enkel David Bill aus und präsentiert damit eine generationsübergreifende Entwicklung künstlerischen Schaffens.

Bauhaus
Das Bauhaus wird 1919 von Walter Gropius in Weimar eröffnet. Die Gestaltungsschule wird zur einflussreichsten ihrer Zeit. 1925 siedelt das Bauhaus nach Dessau und später nach Berlin, wo es durch die Nationalsozialisten zur Schließung kommt. Das Bauhaus sollte der Ästhetisierung des Alltags dienen und Geichberechtigung zwischen Kunst, Architektur, Design und Handwerk schaffen. Zwar wurde „Bauhaus“ von jeder Generation neu angeeignet, dennoch ist das Wort „Bauhausstil“ zu einem feststehenden Begriff in der Architektur, Malerei und im Design geworden. Typisch für das Bauhaus ist die Verwendung von Grundformen, wie etwa Quadrat, Dreieck, Kreis sowie die Grundfarben Rot, Gelb, Blau, ebenso wie Stahlrohrmöbel und weiße Würfel-Architektur. Funktionalismus ist der Leitgedanke hinter Bauhaus: form follows function. 


David Bill: 4 jahreszeiten, 30 x 3 x 30 cm, Stahlblech und Lackfarbe, 2017. © messmer foundation

Klicken Sie hier um die Eröffnungsrede von Frau Dr. Antje Lechleiter zu lesen. 

Klicken Sie hier um die Eröffnungsrede von Landrat Hanno Hurth zu lesen. 

Riegler Künstlertage

Wie immer am ersten Juliwochenende, so öffnen auch in diesem Jahr wieder viele Riegeler Künstler ihre Ateliers der kunstinteressierten Öffentlichkeit. Das entspannte und lockere Wochenende der offenen Ateliers, das sich inzwischen auch im weiter entfernten Umland und benachbarten Ausland eines wachsenden Freundeskreises erfreut, findet nunmehr zum elften Mal statt und fällt 2019 auf den 6. und 7. Mai. Die Veranstaltung wird am Freitagabend, dem 5. Juli um 19 Uhr im Bürgerhaus Alte Schule mit einer Vernissage eröffnet. Für die musikalische Umrahmung sorgt „Brasst schu“.

Danach sind die Besucher herzlich eingeladen, sich einer Führung durch alle teilnehmenden Ateliers anzuschließen. Norman Hothum wird dabei seine Künstlerkollegen und deren „Spezialitäten“ kurz vorstellen, so daß sich alle Kunstinteressierten schon einmal einen Überblick verschaffen können.

Am Samstag und Sonntag (6./7. Juli) können die Besucher dann ganz nach Herzenslust durch die einzelnen Ateliers streifen und sich Zeit für die Kunst und die Begegnung mit den Künstlern nehmen. Der Bogen des Angebots spannt sich dabei von Buchillustrationen und Kalligraphie über Malerei, Collagen, Miniaturenmalerei, Druckgraphik, Hinterglasmalerei, Comicillustrationen, Bildhauerei, Fotographie bis hin zu Keramikkunst. Zusätzliches Highlight sind in diesem Jahr die beeindruckenden Arbeiten der eigens aus der Schweiz angereisten Künstler Reimund Auth, Joachim Mierisch und Markus Lüdi. Die Riegeler Künstler laden Sie ganz herzlich in ihre Ateliers und Ausstellungsräume ein und freuen sich darauf, Ihnen einen Querschnitt ihres Schaffens vorzustellen zu dürfen.

Auf bald, bei den Künstlertagen!

Vernissage: Freitag 5. Juli 2019, 19 Uhr, Bürgerhaus in Riegel

Öffnungszeiten der Ateliers:  Sa. u. So. 11 – 19 Uhr

Weitere Informationen sowie eine Liste der teilnehmenden Künstler finden Sie auf: www.kunst-in-riegel.de

Eröffnungsrede von Landrat Hanno Hurth

5. Internationaler André Evard-Preis am 17.02.2019, 11:00 Uhr, Kunsthalle Messmer

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Sehr geehrter Herr Messmer,

meine sehr geehrte Damen und Herren,

„Provinz hört dort auf, wo Qualität anfängt“ – so hat es eine überregionale Zeitschrift einmal formuliert. Wir leben in unserer Raumschaft nicht in einer Metropole, aber unsere Landschaft am Oberrhein und speziell auch der Land­kreis Emmendingen hat ein reich­haltiges und vielfältiges Kulturleben. Die Palette reicht von hervorragenden Musi­kern über Kleinkunstbühnen bis zu meh­rtägigen Musikfestivals mit internationa­len Stars.  Besonders lebendig ist die Kunstszene. So gibt es, allein was die bildende Kunst betrifft, Galerien in Bahlingen, Denzlin­gen, Emmendingen und Waldkirch –  Galerien, die vor allem die Werke von Künstlern aus der Region ausstellen.

Seit mehr als zehn Jahren haben wir nun mit der Messmer Foundation hier in Riegel einen künstlerischen Anziehungs­punkt, der in besonderer Weise heraus­ragt. Politiker sprechen dabei gerne von einem sogenannten Leucht­turm. Das Bild passt sicherlich nicht in unsere Land­schaft, aber es steht fest: Die Messmer Foundation findet durch ihre hervorra­gen­de Arbeit international Beach­tung. Sie bringt Kunst aus der ganzen Welt in den Landkreis und sie zieht Ausstel­lungs­besucher aus der ge­samten Region an, auch aus Frank­reich und der Schweiz und weit darüber hinaus. Dabei finde ich es immer wieder bemerkens­wert: Diese Kunsthalle ist kein staatli­ches Museum mit großem Verwal­tungs­apparat und eigenem Haushalt; nein, es ist eine von einer Privatperson geschaf­fe­ne und finanzierte Einrich­tung. Ein Museum, das den Besuch von qualitativ hochstehen­den Ausstellungen und Begegnungen mit Künstlern von Welt­rang ermöglicht.

Die Messmer Foundation hat sich mit ihrer Sammlungstätigkeit und der Aus­schreibung eines Kunstpreises des Erbes des Schweizer Malers André Evard ange­nommen. Dieser Künstler gehörte zu den Vorreitern der (Schweizer) konstruktiv-geometrischen Malerei. Die Messmer Foundation fördert und ermuntert Künst­ler in der ganzen Welt, die konstruktiv-konkrete Kunst mit dem Wissen, den Seh­erfahrungen und den medialen Mög­lich­keiten unserer Zeit weiterzuent­wi­ckeln.

Als der große englische Maler David Hockney einmal gefragt wurde, welche Fähig­keiten ein Künstler zum Malen braucht, zitierte er ein chinesisches Sprich­wort: „Man braucht das Auge, die Hand und das Herz, zwei davon reichen nicht.“ In Bezug auf die konkret-konstruk­­tive Kunst könnte man hinzufü­gen: ein äußerst präzises Auge, eine ruhige Hand und einen scharfen, einen mathema­tischen Verstand.

Diese heutige Ausstellung fächert eine große Bandbreite unterschiedlichs­ter Werke auf und präsentiert diese auf gelungene Weise. Ein Besucher, der sich aus allgemeinem Kunstinteresse in die Ausstellung begibt und vielleicht nicht präzise weiß, was unter dem Begriff konkret-konstruktive Kunst zu verstehen ist, dieser Besucher wird nach einer Runde durch die Aus­stellung eine sehr plastische Vorstellung davon haben, mit welchen Phänomenen, For­men und Materialien sich diese Kunst­gattung auseinandersetzt. Die Kunstwer­ke reichen von vordergrün­dig einfachen geometrischen Konstruk­tionen bis hin zu komplexen dreidimen­sio­­nalen Objekten. Sie gewinnen ihre Faszination – manch­mal auch Irritation – aus der Kombination von rhythmischem Spiel mit Formen, Far­ben und Materialien einer­seits und der mathe­matischen Stren­ge ihrer Komposi­tion und Ausfüh­rung andererseits.

Als Landrat freue mich über jede Initiati­ve, die den Landkreis Emmendingen um einen kreativen, kulturellen Impuls be­reichert. Ganz besonders freue ich mich, dass die Kunsthalle in Riegel durch ihre außergewöhnliche Arbeit eine internatio­nale Anzie­hungskraft entwickelt hat.

Sehr geehrter Herr Messmer,

Sie habe es mit der 5. Internationalen Ausschreibung des André Evard-Preises ein weiteres Mal geschafft, die Werke vieler Künstler aus unterschiedlichen Ländern zu vereinen. Mit Ihrer Galerie bieten Sie den Kunstschaffenden die Möglichkeit, ihre Arbeiten angemes­sen zu präsentieren und den Kunst­interessier­ten und Kunst­liebha­bern zugänglich zu machen. Den Preis­trägern geben Sie durch ein groß­zügiges Preisgeld die Gelegenheit, sich für einen gewissen Zeitraum ganz ihrer Kunst zu widmen. Für Ihr Enga­gement danke ich Ihnen, den Damen und Herren der Jury und allen, die sich für diese Ausstellung engagiert haben, sehr herzlich. Die Kunstrich­tung des Konstruktivismus hat eine weltweite Anhängerschaft. Das lässt sich auch daran ermessen, dass sich für den 5. André Evard-Preis über 600 Künstler aus 45 Ländern beworben haben. Einige von ihnen sind heute hier. Sie, die Künstlerinnen und Künstler aus Deutschland und vielen anderen Ländern möchte ich heute in besonderer Weise begrüßen. Genießen Sie Ihren Besuch in unserer Region mit ihrer bezaubernden Landschaft, dem vorzüglichen Essen und allem anderen, was wir zu bieten haben.

„Kunst ist nicht das Brot, aber der Wein des Lebens“ – so hat es der Schriftsteller Jean Paul einmal ausgedrückt. In diesem Sinne wünsche ich uns und allen zukünf­tigen Besuchern Genuss, Inspira­tion und Freude an den Exponaten dieser Kunst­schau.

Eröffnungsrede Frau Dr. Antje Lechleiter

Max, Jakob und David Bill – drei Generationen im Vergleich. Kunsthalle Messmer, Riegel. Eröffnung: Freitag, 22. Februar 2019. Einführung: Dr. Antje Lechleiter©, Freiburg

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Sehr geehrte Damen und Herren

in dieser Ausstellung kommen mit Max Bill, Jakob Bill und David Bill drei Generationen zu Wort, die sich auf jeweils eigenständige Weise dem unendlichen Reichtum und der Vielfalt der konkreten Kunst verschrieben haben. Nicht ohne Grund datiert das früheste, ausgestellte Werk Max Bills auf 1941, denn nur wenige Monate später erblickte sein Sohn Jakob das Licht der Welt. Die Ausstellung gibt uns die Möglichkeit, gemeinsame Bezugspunkte und unterschiedliche Herangehensweisen zu erkennen, und in dieses Beziehungsgeflecht werden wir gleich zu Beginn des Rundganges eingeführt. Hier geht es bei allen drei Positionen um das Quadrat, das mit den unbunten Farben Schwarz und Weiß verbunden wird. Alles was wir hier im vergleichenden Sehen über das Werk der einzelnen Künstler herausfinden, wird sich beim Weg durch die Ausstellung weiter bestätigen. Den Schlusspunkt setzt dann David Bill, der das Thema „Schwarz-Weiß im Quadrat“ mit mehreren eindrucksvollen Werken nochmals akzentuiert.

Max Bill, der 1908 in Winterthur geboren wurde und 1994 in Berlin verstarb war Architekt, Maler, Designer, Grafiker und Bildhauer, er kuratierte Ausstellungen und publizierte kunsttheoretische Schriften über die konkrete Kunst. Bill absolvierte zunächst eine Lehre als Silberschmied an der Kunstgewerbeschule in Zürich und begann im Frühjahr 1927 ein Studium am Bauhaus, das zwei Jahre zuvor von Weimar nach Dessau gezogen war. Er studierte dort bei Josef Albers, László Moholy-Nagy, Paul Klee und Wassily Kandinsky. Am Bauhaus wurde die Grundlage für sein eigenes künstlerisches Werk gelegt und darin wurde die Bezeichnung „konkret“ zum zentralen Begriff. Mit „konkrete gestaltung“ betitelte er einen Artikel, der 1936 anlässlich der Zürcher Ausstellung „Zeitprobleme in der Schweizer Malerei und Plastik“ erschien und die hier formulierten Prinzipien markieren die Geburtsstunde der konkreten Kunst in der Schweiz. Bill muss ein sehr guter Pädagoge gewesen sein, denn ich kenne keine Beschreibung, die den Unterschied zwischen konkreter und abstrakter Kunst so anschaulich macht, wie sein Beispiel eines Grenzfalles der Malerei. 1947 schreibt er in einem Katalogtext:

“ Auf einer weißen Leinwand befindet sich ein roter Punkt. Dieser kann auf zwei Arten entstanden sein: erstens kann es ein Sonnenaufgang im Nebel sein und ist somit als Abstraktion anzusehen oder es kann, zweitens, ein roter Punkt sein, der einzig durch sein Verhältnis zur Fläche eine künstlerische Realität ausdrückt; in diesem zweiten Fall handelt es sich um die Konkretion eines abstrakten Gedankens, also um konkrete Kunst“.

Von 1951-56 war Bill Rektor der neu gegründeten Hochschule für Gestaltung in Ulm, von ihm stammt die Architektur des campusartigen Komplexes mit Unterrichtsräumen, Werkstätten und sozialen Einrichtungen. Bill hat an der HfG die Bauhaus-Idee konsequent zu Ende gedacht, ohne allerdings die Notwendigkeiten der Nachkriegszeit außer Acht zu lassen. Für ihn war die angemessene Formgebung eines Hockers, einer Uhr oder einer Schreibmaschine eine ebenso wichtige Aufgabe, wie die Gestaltung eines Bildes oder einer Plastik. Sein Schaffen basierte auf der Faszination für Zahlen, der Goldene Schnitt oder die Fibonacci Zahlenfolge kommen oftmals zum Einsatz und so ist bei ihm alles in sich stimmig und präzise berechnet. Der ästhetische Reiz seiner Werke beruht also auf der Harmonie exakt kalkulierter Form-Farb-Verhältnisse. Wichtig war ihm war die Nachvollziehbarkeit dieser Methoden durch den Betrachter. Jener sollte das Ordnungsprinzip hinter den Kompositionen erkennen und jenes in seine Bildwahrnehmung einbeziehen. Bill forderte den denkenden Betrachter und wollte „Bilder für den geistigen Gebrauch“ schaffen. Die Lesbarkeit seiner Bilder wird oftmals durch beschreibende Titel angestoßen. Bei den grafischen Reihen verfasste Bill auch erklärende Texte, welche die einzelnen Entwicklungsschritte verdeutlichen.

Das Quadrat wurde ab der Mitte der 1940er Jahre zu einem zentralen Thema. Zur Dynamisierung stellt es Bill auch über Eck und beruhigt die Komposition mitunter durch eine ruhige Mitte, so wie es in der Ausstellung bei „eingeschlossener kern“, 1972-74 und „wegnehmen und zufügen“, 1975 der Fall ist. Doch Bill ging es nicht nur um die harmonische Ausgewogenheit von Formen, sondern auch um die Farbe. Er untersuchte ihre Wirkung hinsichtlich ihrer Leuchtkraft, ihres Einflusses auf benachbarte Farben und vor allem ihrer Gewichtung. Das „Quantum“, also die Farbmengengleichheit war ihm ein wichtiges Thema, wie Sie in der Ausstellung beispielsweise bei dem Bild „gleiche farbquanten zu schwarz/weiss“ von 1977 beobachten können.

Blicken wir nun zu den Werken von Jakob Bill, der 1942 als Sohn von Binia und Max Bill in Zürich geboren wurde. Im 1932/33 von Max Bill gebauten Atelierhaus in Zürich-Höngg kamen Künstler, Architekten und Schriftsteller zusammen und so war die Kunst natürlich von je her ein selbstverständlicher Teil seines Lebens. Jakob Bill studierte Urgeschichte, klassische Archäologie und Kunstgeschichte an der Universität Zürich und es folgte eine Laufbahn als Wissenschaftler. Parallel dazu beteiligt er sich seit den frühen 1960er Jahren an zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen, er ist als Publizist und Ausstellungsmacher tätig und seit 1996 Präsident der max, binia + jakob bill stiftung. An den heute ausgestellten Werken sieht man sehr gut, dass Jakob Bill seine Herkunft und damit das Erbe seines Vaters nicht verleugnen will, doch er hat zu einer eigenständigen und unverwechselbaren Handschrift gefunden.

Ganz im Unterschied zu Max Bill verzichtet Jakob Bill auf erklärende oder beschreibende Bildtitel. Er signiert seine Werke mit der Jahreszahl und einer fortlaufenden Nummer. Überdies arbeitet er mit kontinuierlichen Farbverläufen, die auch die menschliche Wahrnehmung thematisieren. So entsteht in seinen Arbeiten der Eindruck von Tiefenräumlichkeit, die zweite Dimension wird scheinbar verlassen. Schon in den sechziger Jahren arbeitete Jakob Bill mit einer umfangreichen Palette von kräftigen, intensiven Farben sowie mit zarten Pastelltönen. Wenn Sie auf die Abbildungen Ihre Einladungskarte blicken, dann können Sie meine folgenden Ausführungen gut nachvollziehen: Hier sieht man nämlich, dass Max Bills Untersuchungen zur Farbe anhand von klar voneinander abgegrenzten Formen stattfinden. So sind seine Kompositionen aus eine klar zählbaren Menge von geometrischen Elementen zusammengesetzt, diese Teile sind in sich gleichmäßig, homogen, die Farbkontraste sind klar und stark. Jakob Bills chromatische Farbverläufe agieren dagegen innerhalb seiner Streifen, Quadrate oder Rechtecke und sie lassen die Begrenzung der Form verschwimmen. Wir können nicht mehr zwischen einem Bildvorder- und einem Bildhintergrund unterscheiden und tauchen in einen vibrierenden und schier endlosen Farbraum ein, der sich in alle Richtungen ausdehnt. Jakob Bill erweitert den Begriff eines Bildes also über das materiell Vorhandene hinaus. Dazu ein Zitat des Künstlers: „Seit mehreren Jahren fasziniert mich, wie das gemalte Bild lediglich einen Ausschnitt aus einem konkret erdachten Universum darstellt.“ Man kann diesen Gedanken auch gut an den mäanderartigen Formen nachverfolgen, deren Gestaltung sich bewusst auf einen Ausschnitt konzentriert, der vom Betrachter in den endlosen Raum hinein weitergedacht werden kann. Sie sehen, wieder ist der aktive Betrachter gefragt. Im Unterschied zum Vorgehen von Max Bill soll jener aber nicht über das mathematisch-logische System der Bildkomposition nachdenken. Jakob Bill fordert den Betrachter vielmehr dazu auf, selbst in diesen unendlichen Farbraum einzutreten, die Farben zu spüren, sie zu atmen und mit den Augen zu ertasten.

Jakob Bill ist fasziniert von den Kombinationsmöglichkeiten von Farben und vergleicht jene mit einer Grammatik: Er sagt: „man kann deklinieren und konjugieren und jedes Mal gibt es eine andere Bedeutung, bzw. ein anderes Bild.“ Nun verstehen Sie auch, warum er auf erklärende Titel oder weiterführende Beschreibungen verzichtet, denn das innere System der Farben selbst, in seiner abstrakten Form, ist der Inhalt des Bildes.

Ich komme nun zu David Bill, der als Sohn von Chantal und Jakob Bill 1976 in Zürich geboren wurde und leider im vergangenen Jahr im Alter von nur 42 Jahren verstorben ist.

Zwischen den Werken von Vater und Sohn gibt es – mindestens – eine schöne Verbindung. Denn Jakob Bill beschränkt sich bei seinen in Öl auf Leinwand ausgeführten Farbverläufen auf ein Bildformat von bis zu 2 x 2 Metern. Größere Leinwände könnte er in der von ihm gewünschten, äußerst präzisen Ausführung nicht mehr selbst bewältigen. Doch er schätzt an seiner künstlerischen Tätigkeit nach wie vor das Handwerk, will seine Bilder daher selbst ausführen und nicht nur ein Konzept entwerfen, das dann von anderen realisiert wird. Ich denke, dieses Gefühl, etwas mit den eigenen Händen zu schaffen, war auch David Bill wichtig. Sein Weg in die konkrete Kunst führte ihn jedoch nicht zur Malerei, sondern zum Stahl. Das war naheliegend, denn nach einer Lehre als Schmied verfügte er über die Fähigkeit, die Ausführung seiner Skulpturen mit höchster Präzision selbst vornehmen zu können. Schwarz und Weiß, Fläche und Volumen – David Bill fühlte sich von Gegensätzen magisch angezogen. Hier in der Ausstellung finden wir einen weißen Kubus, der auf einer seiner sechs Seiten ein schwarzes Feld aufweist. David Bill nannte das Objekt von 2010 „hommage à malevich“ und wies damit auf einen wichtigen geistigen Bezugspunkt hin, nämlich auf das 1913 geschaffene Bild „Schwarzes Quadrat“ von Kasimir Malewitch. Dieses Werk hat er weitergedacht und aus Malewitchs schwarzer Fläche einen schräg gestellten Raum entwickelt. Aus der Kombination der beiden, seine Kunst bestimmenden Prinzipien, also dem Ausgreifen in den Raum und der Einteilung in klare Kontraste, fand David Bill zu einer treffenden Bezeichnung: Er nannte seine Werke raumkontrastverhältnisse.

Es ist faszinierend, was der Künstler mit seinen Kuben macht! Er zerlegt und verdreht sie, fügt sie – teilweise – durch ineinandergreifende Elemente wieder neu zusammen, alles öffnet sich und wächst in den Raum hinein. Die dabei entstehenden Außen- und Innenflächen werden durch den Kontrast von Schwarz und Weiß hervorgehoben, erst in den letzten Jahren trat, wie beispielsweise bei der Arbeit „4 Jahreszeiten“ von 2017 vereinzelt auch die Farbe hinzu. Einen wichtigen Anstoß dazu gab das Werk der 2013 verstorbenen Schweizer Künstlerin Nelly Rudin, mit der David Bill eng verbunden war.

Es ist nicht immer einfach, den Bauplan zu begreifen, der seinen Objekten zugrunde liegt. Durch die Zerlegung und den starken Kontrast des unbunten Schwarz und Weiß wird die Betrachtung zunächst oftmals von Dreiecksformen dominiert. Den Kubus nimmt man als Grundelement erst auf den zweiten Blick wahr. Mitunter helfen allerdings auch hier die Werktitel. So etwa bei der Plastik diagonalrhythmus zweier kubenstrukturen von 2010. Bei intensiver Betrachtung springt die Gestaltung um und man erkennt, dass hier zwei Kuben – ein schwarzer und ein weißer – durch präzise auf die Hälfte gesetzte Teilungen ineinander geschoben wurden. Komplizierter wird die Verschiebung von Symmetrieachsen, die Teilung und Drehung der einzelnen Elemente bei der „Komposition zweier Kubenstrukturen in 9 Stufen“ von 2009, das Werk, das den Schlusspunkt der Ausstellung bildet. Doch auch hier zeigt sich, dass seine Werke immer nach klaren Regeln aufgebaut sind, wie bei dem pulsierenden Rhythmus eines Musikstückes gelangte der jüngste Bill dabei zu verschiedensten Varianten. Überdies hebelt der Künstler die klassische Vorstellung vom Bildbetrachter aus, der still und andächtig vor einem Kunstwerk zu verweilen habe. Um sich das Wesen seiner Skulpturen zu erschließen, muss sich der Betrachter bewegen und die verschiedenen Ansichten erkunden. Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass Bill selbst keine Vorstudien oder Zeichnungen machte, diese Werke entstanden in seinem Kopf und er bezeichnete sein Vorgehen als ein „dreidimensionales Schachspiel“.

Sehr geehrte Damen und Herren, wir sehen heute, dass die konkrete Kunst nach wie vor durch eine große Kraft besticht, zu überraschenden Ideen kommt und aktuelle Problemstellungen reflektiert. Während Max Bill noch zu den Gründungsvätern der konkreten Kunst zählte, zeigen die Werke von Jakob und David Bill, dass der konkreten Kunst der Übergang ins 21. Jahrhundert auf überzeugende Weise gelungen ist.

Blickfang auf dem Kreisverkehr

Jörg Bollin, Emotions © kunsthalle messmer

Jörg Bollin: Emotions

Jörg Bollins (*1944 in Freiburg) Skulptur „Emotions“ löste Februar 2019 die Stellung von Otmar Alts „Große Gartenblume“ ab und ziert nun die Einfahrt zur kunsthalle messmer. Emotionen sind eben auch dies, was die 35 nach vorne und zurück kragenden Einzelsegmente der Steinguss-Skulptur vermitteln. In verschiedenen Abstufungen von Blau vermittelt die nahezu 3 m hohe Skulptur Dynamik und spricht den Geist der Betrachter an.

100 jahre bauhaus

max bill, jakob bill, david bill:
drei generationen im vergleich

23. februar 2019 – 14. juni 2019

Mit Max, Jakob und David Bill kommen drei Generationen einer Künstlerfamilie in die kunsthalle messmer. Zu  Ehren des 100-jährigen Jubiläums des Bauhauses sind insgesamt ca. 90 Werke zu sehen, die trotz der selben Kunstrichtung, der sich die drei Künstler verschrieben haben, auf unterschiedliche Weise mit konkreter Kunst auseinandersetzen und jeweils einen individuellen Zugang dazu suchen und aufzeigen.


Plakat zu der Ausstellung (c) messmer foundation

Max Bill (1908 – 1994) stellt als einer der wichtigsten Vertreter der konkret-kontruktiven Kunst wissenschaftliche Paradigmen und mathematische Formeln in einen streng konstruierten, künstlerischen Zusammenhang. Die Lehren der Bauhausschule, an welcher er zwischen 1927 und 1928 studiert hat, sollten dabei seinen weiteren Schaffensweg bis auf weiteres prägen. In seinem Schaffen finden sich Elemente von Architektur, Design sowie bildender- und angewandter Kunst zu einem harmonischen Zusammenspiel vereint. 1951 gründet Max Bill gemeinsam mit Otl Aichinger und Inge Scholl die HfG Ulm, für welche er das Gebäude selber entwarf und als Gründungsrektor tätig war.
Bills Sohn Jakob Bill (*1942) übernimmt den wissenschaftlich-theoretischen Zugang zur Kunst seines Vaters, hat jedoch völlig andere Wege in seinem Œuvre eingeschlagen und konzentriert sich voll und ganz auf die Malerei. Grundlage seiner Arbeiten bildet ein geometrisierter Formenkanon mit ätherisch anmutenden Farbverläufen, welcher kennzeichnend für dessen Schaffen ist.
Der Enkel David Bill (*1976 – 2018) legt seinen Fokus auf die Auseinandersetzung mit Raum und Raumaufteilung. Flächen und Objekte werden in immer neuen Formvariablen zusammengefügt, getrennt und wieder neu zusammengesetzt. Mittelpunkt seiner Überlegungen ist dabei stets der Kubus. Die Farben schwarz und weiß betonen eben jenes Raumspiel und verleihen seinen Werken zusätzliche Dynamik.
Neben dem Universalgenie Max Bill, stellt die kunsthalle messmer seinen Sohn Jakob Bill und Enkel David Bill aus und präsentiert damit eine generationsübergreifende Entwicklung künstlerischen Schaffens.


David Bill: 4 jahreszeiten, 30 x 3 x 30 cm, Stahlblech und Lackfarbe, 2017. © messmer foundation

Bauhaus
Das Bauhaus wird 1919 von Walter Gropius in Weimar eröffnet. Die Gestaltungsschule wird zur einflussreichsten ihrer Zeit. 1925 siedelt das Bauhaus nach Dessau und später nach Berlin, wo es durch die Nationalsozialisten zur Schließung kommt. Das Bauhaus sollte der Ästhetisierung des Alltags dienen und Geichberechtigung zwischen Kunst, Architektur, Design und Handwerk schaffen. Zwar wurde „Bauhaus“ von jeder Generation neu angeeignet, dennoch ist das Wort „Bauhausstil“ zu einem feststehenden Begriff in der Architektur, Malerei und im Design geworden. Typisch für das Bauhaus ist die Verwendung von Grundformen, wie etwa Quadrat, Dreieck, Kreis sowie die Grundfarben Rot, Gelb, Blau, ebenso wie Stahlrorhmöbel und weiße Würfel-Architektur. Funktionalismus ist der Leitgedanke hinter Bauhaus: form follows function. 

Besucher Informationen
Öffnungszeiten Di – So, 10 – 17 Uhr
Eintritt 12,50 €, Ermäßigt 10.50€ | Freier Eintritt mit Museumspass
Führungen Sonntags 14:30 uhr – 5 € zzgl. Eintritt /
Zweiter Mittwoch im Monat 17:00 Uhr – kostenfrei im Rahmen des Eintritts /
Privatgruppen nach Voranmeldung ab 90 € zzgl. Eintritt

Februar 2019
Änderungen vorbehalten.

www.kunsthallemessmer.de
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5. Internationaler André Evard Preis

03.11.2018 bis 17.02.2019

Bereits zum 5. Mal hat die kunsthalle messmer einen der weltweit wichtigsten Kunstpreise im Bereich der konkret-konstruktiven Kunst vergeben. Die 100 ausgewählten Arbeiten gewähren einen tiefen Einblick in das aktuelle und internationale Schaffen der konkret-konstruktiven Szene. Die Ausstellung präsentiert dabei ein Tableau verschiedenster Medien und Formsprachen, welche sich unter der Schirmherrschaft des Konkret-Konstruktiven zusammenfinden. In dieser Ausstellung wird deutlich, wie unterschiedlich, individuell und persönlich sich die Künstler mit derselben Kunstrichtung auseinandergesetzt haben.

André Evard, Le Couvert, 1924

Eine renommierte Fachjury hat den Sieger des hochdotierten Preises ausgewählt. Diese setzt sich zusammen aus der Sammlerin und Museumsgründerin Marli Hoppe-Ritter aus Waldenbuch, Sabine Schaschl, Direktorin und leitende Kuratorin des Museums Haus Konstruktiv in Zürich sowie Ewald Karl Schrade, dem Galeristen und Initiator der Art Karlsruhe. Das Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro wurde unter den Künstlern der drei überzeugendsten Werke der Ausstellung aufgeteilt, außerdem wurde ein Publikumspreis vergeben.

Die Gewinner des 5. internationalen andré evard-Preises 2018 lauten:

1. Preis: Rüdiger Seidt (D) mit 5.000 €


Rüdiger Seidt, Circletetra, 2018

2. Preis: Antonio Marra (I) mit 3.000 €


  Antonio Marra, Die Weisheit der Seegurken, 2018

2. Preis: Christiane Grimm (D) mit 2.000 €


Christiane Grimm, Shades of blue, 2018.

Die Plätze 4 – 8 gingen in absteigender Reihenfolge an Werner Dorsch (D), Mariano Ferrante (ARG), Laszlo Otto (HUN), OMI Riesterer (D) und Christian Rudolph (D).

Der Publikumspreis ging an Antonio Marra.
(Der Gewinner der Publikumspreis-Verlosung wird von uns verständigt)

Teilnehmende Künstler*innen 2018:

Gewidmet ist der Kunstpreis André Evard (1876–1972), der als Wegbereiter der Schweizer Moderne gilt und sich zu Lebzeiten nicht nur der figurativen, sondern vor allem der abstrakt-geometrischen Malerei gewidmet hat.

» André Evard hat sich nach vorne, ganz an die Spitze, verirrt, ohne vielleicht darüber bewusst zu sein. Er war den Weg eines Eugenbrötlers gegangen, ohne dass ihm hierbei der Gedanke gekommen wäre, dass er bereits einige Jahre Vorsprung vor seinen Zeitgenossen hatte […] «                                      – DAS WERK, Heft Nr. 4, 1927

Die Bezeichnung konstruktiv, abgeleitet vom Konstruktivismus von Wladimir Tatlins Reliefkonstruktionen und den suprematistischen Werken Kasimir Malewitschs (1914), bezeichnet eine bis dahin abstrakt genannte, ungegenständliche Malerei und Plastik. Linie, Fläche und Farbe werden frei voneinander eingesetzt. Konkret hingegen, bezeichnet die Arbeitsweise eines Künstlers, der sein Werk nach einem vorab festgelegten, z. B. geometrisch-mathematischen Konzept ausführt und somit der spontanen gestalterischen Handlung bewusst Grenzen setzt. Sie ist im eigentlichen Sinne nicht „abstrakt“, da sie nichts in der materiellen Realität Vorhandenes abstrahiert, sondern im Gegenteil Geistiges materialisiert, keine symbolische Bedeutung besitzt und mehr oder weniger rein durch geometrische Konstruktion erzeugt ist. Der Begriff Konkrete Kunst wurde 1924 von Theo van Doesburg eingeführt und 1930 in einem Manifest bei der Gründung der Gruppe „Art concret“ programmatisch festgelegt.

Entwicklung von 1923 – 1924 von der gegenständlichen zur abstrakten Rose.

5. INTERNATIONALER ANDRÉ EVARD PREIS
für konkret-konstruktive Kunst

03.11.2018 bis 17.11.2019

Bereits zum 5. Mal vergibt die kunsthalle messmer einen der weltweit wichtigsten Kunstpreise im Bereich der konkret-konstruktiven Kunst. Die 100 ausgewählten Arbeiten gewähren dabei einen tiefen Einblick in das aktuelle und internationale Schaffen der konkret-konstruktiven Szene. Die Ausstellung präsentiert dabei ein Tableau verschiedenster Medien und Formsprachen, welche sich unter der Schirmherrschaft des Konkret-Konstruktiven zusammenfinden. In dieser Ausstellung wird deutlich, wie unterschiedlich, individuell und persönlich sich die Künstler mit derselben Kunstrichtung auseinandergesetzt haben.

Eine renommierte Fachjury wird den Sieger des hochdotierten Preises auswählen. Diese setzt sich zusammen aus der Sammlerin und Museumsgründerin Marli Hoppe-Ritter aus Waldenbuch, Sabine Schaschl, Direktorin und leitende Kuratorin des Museums Haus Konstruktiv in Zürich sowie Ewald Karl Schrade, dem Galeristen und Initiator der Art Karlsruhe. Das Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro wird unter den Künstlern der drei überzeugendsten Werke der Ausstellung aufgeteilt, außerdem wird es einen Publikumspreis geben. 

Teilnehmende Künstler*innen 2018:

Gewidmet ist der Kunstpreis André Evard (1876–1972), der als Wegbereiter der Schweizer Moderne gilt und sich zu Lebzeiten nicht nur der figurativen, sondern vor allem der abstrakt-geometrischen Malerei gewidmet hat. 

» André Evard hat sich nach vorne, ganz an die Spitze, verirrt, ohne vielleicht darüber bewusst zu sein. Er war den Weg eines Eugenbrötlers gegangen, ohne dass ihm hierbei der Gedanke gekommen wäre, dass er bereits einige Jahre Vorsprung vor seinen Zeitgenossen hatte […] «                                      – DAS WERK, Heft Nr. 4, 1927

Die Bezeichnung konstruktiv, abgeleitet vom Konstruktivismus von Wladimir Tatlins Reliefkonstruktionen und den suprematistischen Werken Kasimir Malewitschs (1914), bezeichnet eine bis dahin abstrakt genannte, ungegenständliche Malerei und Plastik. Linie, Fläche und Farbe werden frei voneinander eingesetzt. Konkret hingegen, bezeichnet die Arbeitsweise eines Künstlers, der sein Werk nach einem vorab festgelegten, z. B. geometrisch-mathematischen Konzept ausführt und somit der spontanen gestalterischen Handlung bewusst Grenzen setzt.                                                                                                                         Sie ist im eigentlichen Sinne nicht „abstrakt“, da sie nichts in der materiellen Realität Vorhandenes abstrahiert, sondern im Gegenteil Geistiges materialisiert, keine symbolische Bedeutung besitzt und mehr oder weniger rein durch geometrische Konstruktion erzeugt ist. Der Begriff Konkrete Kunst wurde 1924 von Theo van Doesburg eingeführt und 1930 in einem Manifest bei der Gründung der Gruppe „Art concret“ programmatisch festgelegt. 

Besucher Informationen
Öffnungszeiten Di – So, 10 – 17 Uhr
Eintritt 12,50 €, Ermäßigt 10.50€ | Freier Eintritt mit Museumspass
Führungen Sonntags 14:30 uhr – 5 € zzgl. Eintritt /
Zweiter Mittwoch im Monat 17:00 Uhr – kostenfrei im Rahmen des Eintritts /
Privatgruppen nach Voranmeldung ab 90 € zzgl. Eintritt 

Der Katalog zu unserer Ausstellung

Auf 115 Seiten lernen Sie die Nominierten des 5. Internationalen Andrè Evard Preises und Ihre Arbeiten näher kennen. Darüber hinaus bietet der Katalog einen biographischen Überblick zu André Evard mit seinen wichtigsten Stationen.

12,80 € Exklusiv in unserem Museumsshop

 

November 2018
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5. internationaler André Evard Preis

für konkret-konstruktive Kunst

03. November 2018 – 17. Februar 2019

Bereits zum 5. Mal vergibt die kunsthalle messmer einen der weltweit wichtigsten Kunstpreise im Bereich der konkret-konstruktiven Kunst. 

Für den diesjährigen Preis haben sich über 600 Künstler aus 45 verschiedenen Ländern beworben, womit die Ausstellung wieder international breit aufgestellt ist. Das Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro wird unter den Künstlern der drei überzeugendsten Werke der Ausstellung aufgeteilt, außerdem wird es einen Publikumspreis geben. 

Es werden 101 ausgewählte Arbeiten auf internationalem Niveau präsentiert, wobei diese eine Zusammenfassung der spannendsten Facetten der geometrisch-abstrakten Gegenwartskunst bietet. In Medien aller Art gewähren die Exponate einen tiefen Einblick in das aktuelle und internationale Schaffen der konkret-konstruktiven Szene. Die Ausstellung zeigt dabei, wie unterschiedlich und individuell sich die Künstler mit derselben Kunstrichtung auseinandersetzen.

 

André Evard, La pyramide, Komposition aus Flasche, Glas und Serviette, 1924, Öl auf Hartfaserplatte, 35 x 26,5 cm.

DIE NOMINIERTEN 2018 SIND:

Agrawal, Franziska (D); Benedek, Barna (HUN); Bertelmann, Klaus (D); Bom, Michael (ZAF/NL); Bruckert, Jean-Luc (F); Brüger, Martin (D); Bugmann, Sabina (CH); Caland, Natacha (F); Coppio, Adriana (BRA); Czech, Rainer Joshua (D); Daughter, Fidels (D); Daum, Gerhard (D); De Kok, Marko (NL); Deutschmann, Barbara (D); Diehl, Edgar (D); Dizlek, Selçuk (D); Dorsch, Werner (D);  Ferrante, Mariano (ARG); Figueiredo, Fernanda (BRA); Flepp, Afra (CH); Friebe, Barbara (D); Früh, Bernhard (D); Funder, Detlef (D); Gantner, Ueli (CH); Gatermann, Fabian (D); Gerlach, Alexander (D); Grimm, Christiane (D); Grohs, Paul (D); Guske, Antje (D); Habermacher, René (CH); Hagemann Dagmar (D); Hagenmaier, Esther (D);  Hartmans, Suzanne (NL); Haufe, Thomas (D); Helmer, Roland (D); Heyers, Michael M. (D); Hoch, Robert (D); Hoffmann, Gisela (D); Hornef, Ingrid (D); Hotter, Gerhard (D); Humair, Roland (CH); Jansen Heijtmajer, Rity (NL); Janetzek, Justyna (PL/D); Jansen, Gerd (D); Käppeli-Von Bülow, Karin (CH/D); Kaiser, Joachim, Dr. (D); Kazmaier, Ulrike (D); Knoop, Edgar (A/D); Konstantinopoulou, Vasiliki (GRC); Klopfleisch, Jan (D); Küçükköroğlu, Erdem K. (TUR); Kovacic, Vesna (SVN/D); Lobisch, Mechthild (D); Maat, Monica (NL); Makinde, Jaime (CUB/D); Malatsion (F/D); Marra, Antonio (ITA); Marx, Leni (D); Mattern, Michael (D); Meyer, Friedhard (D); Millotte, Pierre (F); Mori, Mitsouko (JP/FR); Mitterer, Gabi (A); Nikolic, Darko C. (D); Nowack, Peter (D); Ogawa, Fumiari (JP/D); OPAL (D); Otterbach, Axel F. (D); Otto, Laszlo (HUN/D); Pletschen, Gisela (D); Rebetez, Boris (CH); Reitsperger, Otto (A); Richter, Dirk (D); Riesterer, OMI (D); Rohlfing, Rita (D); Roth, Karin (D); Rudolph, Christian (D); Scharein, Günter (D); Schmidt, Jan-Ulrich (JANUS) (D); Schöpper, Ursa (D); Schori, Angelika (CH); Scholz, Ursel Walburga (D); Schramm, Wilhelm (D); Seidt, Rüdiger (D); Seipelt, Olivia (D); Sieber, René Daniel (D); Siebers, Stephan (D); Siemens, Uwe (D); Somm, Peter (CH); Sterk, Geerten (NL); Taubert, Antje (D); Tervoort, Julia (D); Tinti, Volker (D); Tödter, Petra (D); Viot, Jean Pierre (F); Von Jan, Ina (D); Wagner, Michael (D); Wesseling, Annette (D); Wildförster, Dagmar (D); Willigerodt, Elgin (D)

Eine renommierte Fachjury wird den Sieger des hochdotierten Preises auswählen. Diese setzt sich zusammen aus der Sammlerin und Museumsgründerin Marli Hoppe-Ritter aus Waldenbuch, Sabine Schaschl, Direktorin und leitende Kuratorin des Museums Haus Konstruktiv in Zürich sowie Ewald Karl Schrade, dem Galeristen und Initiator der Art Karlsruhe.

Gewidmet ist der Kunstpreis André Evard (1876–1972), der als Wegbereiter der Schweizer Moderne gilt und sich zu Lebzeiten nicht nur der figurativen, sondern vor allem der abstrakt-geometrischen Malerei gewidmet hat. Die Bedeutung André Evards nimmt in Fachkreisen stetig zu. So war Henry Drake, ein amerikanischer Kunstsammler, überzeugt davon, dass Evard seiner Zeit um Jahre voraus war.
Die Bezeichnung konstruktiv, abgeleitet vom Konstruktivismus von Wladimir Tatlins Reliefkonstruktionen und den suprematistischen Werken Kasimir Malewitschs (1914), bezeichnet eine bis dahin abstrakt genannte, ungegenständliche Malerei und Plastik. Linie, Fläche und Farbe werden frei voneinander eingesetzt. Konkret hingegen, bezeichnet die Arbeitsweise eines Künstlers, der sein Werk nach einem vorab festgelegten, z. B. geometrisch-mathematischen Konzept ausführt und somit der spontanen gestalterischen Handlung bewusst Grenzen setzt. Sie ist im eigentlichen Sinne nicht „abstrakt“, da sie nichts in der materiellen Realität Vorhandenes abstrahiert, sondern im Gegenteil Geistiges materialisiert, keine symbolische Bedeutung besitzt und mehr oder weniger rein durch geometrische Konstruktion erzeugt ist. Der Begriff Konkrete Kunst wurde 1924 von Theo van Doesburg eingeführt und 1930 in einem Manifest bei der Gründung der Gruppe „Art concret“ programmatisch festgelegt.

Besucher Informationen
Öffnungszeiten Di – So, 10 – 17 Uhr
Eintritt 12,50 €, Ermäßigt 10.50€ | Freier Eintritt mit Museumspass
Führungen Sonntags 14:30 uhr – 5 € zzgl. Eintritt /
Zweiter Mittwoch im Monat 17:00 Uhr – kostenfrei im Rahmen des Eintritts /
Privatgruppen nach Voranmeldung ab 90 € zzgl. Eintritt

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