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Otto Ritschl

Werk in der Sammlung: Otto Ritschl, Komposition, 1954, Öl auf Leinwand, 80 x 100 cm

Otto Ritschl war ein Wiesbadener Maler. In seiner ersten Schaffensphase wendet er sich dem Expressionismus zu, inspiriert von Werken Oskar Kokoschkas. Nach einem sozialkritischen Intermezzo im Stile der Neuen Sachlichkeit wendet er sich Mitte der 1920er Jahre dem zeitgenössischen Kunstgeschehen in Frankreich zu. Während seines Aufenthaltes in Paris trifft er auf Picasso und  Max Ernst. 1925 zerstört er seine bis dahin gemalten Gemälde und setzt sich mit dem Surrealismus sowie mit dem Kubismus auseinander, insbesondere mit Werken von Georges Braque. Während des Nationalsozialismus zählt Ritschl zu den entarteten Künstlern, er malt in dieser Zeit heimlich weiter. Nach dem Krieg entstehen Gemälde, die von Picasso sowie der Moderne der 30er Jahre beeinflusst wurden. Schließlich findet er in den 1950er Jahren seinen persönlichen abstrakten Malstil, dem strengere geometrische konstruktivistische Formen zugrunde liegen. Gegen Ende der 1950er Jahre löst sich Otto Ritschl von der Strenge und Klarheit seines Malens. Die Formen werden weicher, farblich fein gestufte Übergänge und Differenzierungen halten Einzug in seine Bilder. Ab ca. 1960 Gemälde mit dominierenden scheinbar schwebenden Farbscheiben, sogenannte einfarbige „Meditationsbilder“. Doch Ritschl malt auch weiterhin Bilder mit Farbfeldern, unscharfe weiche wolkenartige Formen, die im Spätwerk Mitte der 1960er oft eine leuchtende Farbigkeit besitzen.

geb. 1885 in Erfurt
Ab 1908 lebt und arbeitet Ritschl in Wiesbaden
1918 wendet er sich seiner Tätigkeit als Schriftsteller ab, beginnt zu malen
1920er Zuwendung zum zeitgenössischen Kunstgeschehen in Frankreich, Reise nach Paris
1925 zerstört seine bis dahin gemalten Werke, setzt sich mit Surrealismus und Kubismus auseinander
1925 Gründung der Freien Künstlerschaft Wiesbaden
Ab den 1950ern findet Ritschl zu einem persönlichen abstrakten Malstil
gestorben 1976 in Wiesbaden

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