Jürgen A. Messmer entdeckte die Liebe zur Kunst während seines Studiums des Wirtschaftsingenieurwesens in München. 1978 gelang es dem Unternehmer, große Teile des Nachlasses von André Evard (1876-1972), einem wegweisenden Maler der Schweizer Moderne, zu erwerben. Die Aufarbeitung von Leben und Werk Evards ist Jürgen Messmer eine Herzensangelegenheit.

Über Evard fand Messmer zur konkret-konstruktiven Kunst, die heute den Schwerpunkt seiner Sammlung bildet. Seine große Leidenschaft zur Kunst motivierte den ehemaligen Produzenten exklusiver Schreibgeräte (messmer pen) bereits zu Firmenzeiten zu diversen Ausstellungs- und Förderinitiativen.

Als Beispiel ist hier der von Messmer ins Leben gerufene Internationale André Evard-Preis zu nennen, der sich an Künstler aus dem konkret-konstruktiven Bereich richtet.

Kunst und Design der Öffentlichkeit zugänglich zu machen – dieses Ideal treibt den Sammler bis heute an. Mit Stiftung und Museum hat sich Jürgen Messmer einen Traum erfüllt.

Interview mit Jürgen Messmer

Der Kunstsammler und Museumsgründer Jürgen A. Messmer im Gespräch mit Claudia FenkartN´jie, Herausgeberin des Kulturkalenders Baden-Württemberg und des Buches Private Art Collections BW. Private Kunstsammlungen in Baden-Württemberg (Stuttgart 2011)

Herr Messmer, vielleicht können Sie uns zu Beginn kurz ein paar Sätze zur Firmengeschichte Ihres ehemaligen Unternehmens sagen.

1986 gründete ich mein eigenes Unternehmen, das sich ausschließlich mit der Entwicklung und Produktion von Schreibgeräten befasste und diese eigenentwickelten Produkte mit einem eigenen Außendienst direkt an Industrie und Handel vertrieb. Dies wiederum speziell als Werbeprodukt. Mehrere Designpreise bestätigten die Originalität und Designqualität der Produkte.

Wie war Ihr Weg zur Kunst? Gibt es da ein besonderes Schlüsselerlebnis oder erfüllten Sie sich mit der Kunst einen Kindheitstraum?

Zur Kunst kam ich während meines Studiums in München, ich besuchte damals nahezu alle Museen, speziell häufig die Alte Pinakothek. Nach meinem Studium begann ich dann mit dem Sammeln und wuchs mehr und mehr in die Kunst hinein. Ein ganz markantes Schlüsselerlebnis war das Zusammentreffen mit dem großen und bedeutenden amerikanischen Sammler Henry Drake in New York. Die Einladung in sein Haus, bei der ich Bilder des 20. Jahrhunderts aller bedeutenden Künstler der klassischen Moderne antraf, war für mich etwas Grandioses. Es folgte eine Einladung in sein Chalet in der Schweiz. Auch in seinem Feriendomizil waren Künstler von Van Gogh bis Picasso und Kandinsky vertreten. Henry Drake war es, der mich schließlich auf André Evard aufmerksam machte – Ich war sofort begeistert!

Wann hatten Sie die Idee, eine Kunststiftung und ein Museum ins Leben zu rufen?

Das war im Jahr 2007, als im Gespräch mit Roland Doschka, einem guten Freund und bekannten Ausstellungmacher, die Idee entstand, mit einer Kunsthalle nicht nur die eigene Sammlung, sondern vor allem auch interessante Ausstellungen für die Bevölkerung zu präsentieren. Der Gedanke war im Grunde eine logische Folge der Zielsetzung, die die Stiftung verfolgte: nämlich Kunst zu fördern. Denn nur, wenn man vielen Menschen gute Kunst vermittelt und näher bringt, haben letztendlich die Künstler auch bessere Verkaufschancen.

Sammlungsschwerpunkt bildet das Werk des bereits mehrfach angesprochenen Schweizer Künstlers André Evard. Was bedeutet ihnen dieser Maler?

André Evard bedeutet mir sehr viel und wir entdecken speziell durch die zahlreichen Besucher laufend Neues in seinem facettenreichen Werk. Dass er sich nie in eine Schablone pressen ließ und zeitlebens gegenständlich, wie auch konstruktiv malte, und dies auf hohem Niveau, fasziniert mich bis heute. In seinem Werk erkennt man eine einmalige Entwicklungslinie, die im Jugendstil beginnt und weiter zu expressionistischen, aber noch gegenständlichen Bildmotiven führt wie sie z.B. in seinem Gemälde „Pont Neuf“ zu erkennen sind. In den 20ger Jahren ging Evard einen großen Schritt weiter und fand zwischen 1923 und 1925 zur Abstraktion. Konkret-konstruktivistische Bilder wie das Maschinenbild von 1925 oder später nach dem Krieg „Kabuki“ sind einmalige Zeugnisse dieses Richtungsstils, der Evard für mich zu so etwas Besonderem macht. Der Künstler bezeichnete seine wichtigen Bilder auf der Rückseite mit einem „PP“ als Kürzel für „propriété privée“, das sein Privateigentum bezeichnete. In diesen Arbeiten, die er quasi nur für sich malte, erprobte er sich in avantgardistischen Techniken und fand zum Konkret-Konstruktiven. Diese wichtigen Werke, vor allem aus den 20er Jahren, sind glücklicherweise nahezu vollständig vorhanden.

Welche anderen Künstler in Ihrer Sammlung stehen Ihnen besonders nahe? Können Sie uns einige Beispiele nennen?

Die großen Namen wie Picasso oder Dix, die ich vergleichsweise früh für meine Sammlung angekauft habe, bedeuten mir heute nicht mehr ganz so viel wie früher. Wichtiger sind für mich die Klassiker der konkret-konstruktiven Richtung geworden wie Francois Morellet und Alberto Magnelli. Werner Bauer, Hellmut Bruch, Roland Helmer, Jean-Pierre Viot, Jo Niemeyer, Friedrich Geiler und Klaus Staudt liegen mir ebenso am Herzen. Das hängt sicherlich auch damit zusammen, dass mich viele Arbeiten dieser Künstler seit langem begleiten, mit vielen Künstlern bin ich zudem persönlich bekannt und befreundet. Werke wie das von Otto Freundlich, das neben meinem Schreibtisch hängt, erfreuen mich täglich. So war auch „Syta“ von Vasarely immerein Wunschbild – im Vorfeld unserer Vasarely-Ausstellung konnte ich mir diesen Wunsch endlich erfüllen.

Sie loben regelmäßig einen mit 10.000 Euro dotierten Preis für Künstler aus. Richtet sich die Ausschreibung an junge, noch unbekannte Künstler und dient somit der Nachwuchsförderung oder ist er offen für alle?

Dieser Preis ist offen für alle und zwar international. Das zeigt sich auch daran, dass bei der letzten Ausschreibung rund 600 Bewerber aus 33 Nationen teilnahmen. Hier bietet sich zudem eine große Chance für junge Künstler, sich mit bereits arrivierten Künstlern zu messen. Innerhalb der internationalen konkret-konstruktiven Szene hat sich der Evard-Preis mittlerweile ein großes Renommee erarbeitet und gilt als besonderes Ereignis. Die Szene, die ja auf der ganzen Welt zuhause ist, basiert auf Altmeistern wie Max Bill und Josef Albers sowie Anton Stankowski, Günter Fruhtrunk, Bridget Riley und den Südamerikanern Carlos Cruz-Diez und Luis Tomasello. Hinzukommen zahlreiche junge Künstler, die das Erbe der Konkreten weiterführen. Der Internationale André-Evard-Preis hat sich zum Ziel gesetzt, neben den arrivierten Positionen auch junge, unbekannte Künstler zu fördern und in der konkreten Szene zu verankern.

Was wünschen Sie sich noch für Ihre Sammlung, gibt es da noch ein Werk, mit dem Sie schon lange liebäugeln?

Da gibt es natürlich schon Werke… Einerseits hätte ich schon immer gerne einen klassischen Fontana, hier sind die Preise freilich weggelaufen. Auf der anderen Seite kann ich mittlerweile durch private und institutionelle Leihgaben, die unsere Ausstellungen bereichern, Künstler von hohem Niveau präsentieren, die ich in dieser Vielfalt nicht für die eigene Sammlung erwerben könnte. Für die Sammlung habe ich dennoch einige Wünsche. Vor allem in der konkretkonstruktiven Linie will ich noch Einiges erwerben. Besonders freuen würde ich mich über einen Agam, über Werke von Richard Paul Lohse oder Camille Graeser. Begrüßen würde ich es auch, weitere Arbeiten von Max Bill für die Sammlung zu erwerben.