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[:de]China – Im Spiegel der Zeit. Kunst aus 5 Jahrtausenden [:]

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23.09.2014

In der Ausstellung China – Im Spiegel der Zeit werden einzigartige Objekte aus Porzellan und Terrakotta aus kaiserlichen Manufakturenim Dialog mit international anerkannter chinesischer Gegenwartskunst gezeigt. Die Konfrontation von traditioneller und moderner Kunst macht den besonderen Reiz dieser Ausstellung aus und führt zu einer spannenden Begegnung von Vergangenheit und Gegenwart.

Zum ersten Mal werden in Deutschland seltene Schätze aus dem Hosanna Museum Taiwan aus einer Zeitspanne von über 5 Jahrtausenden ausgestellt. Wir zeigen hervorragende Arbeiten aus den wichtigsten kaiserlichen Dynastien – Han (206 v. Chr. – 220 n. Chr.), Tang (618-907), Song (960-1279), Ming (1368-1644) und Qing (1644-1911). Die traditionellen und kunstvollen Objekte – Figuren, Vasen und Schalen, sowohl aus Ton als auch aus Porzellan – stammen aus bekannten Porzellanschulen und kaiserlichen Brennöfen. Präsentiert wird ein Einblick in die einzigartige und vielfältige Keramik-Kunst Chinas. Ein besonderes Stück stellt neben kunstvoll gefertigten „Famille-Rose-Vasen“ ein neolithisches Gefäß mit menschlichem Kopf aus der Majiao­yao-Kultur dar, das ca. 4500-2300 v. Chr. entstanden ist.

Die Ausstellung stellt die traditionellen Werke aus Ton und Porzellan, malerischen und skulpturalen Arbeiten zeitgenössischer Positionen gegenüber. Das Material Porzellan in Kombination mit Malerei bildet ein Bindeglied zwischen Tradition und Moderne.

Ai Weiwei (geb. 1957 in Peking) – einer der bekanntesten chinesischen Gegenwartskünstler – setzt häufig Alltagsgegenstände in typisch chinesischen Materialien um. So zitiert er mit seinem keramischen Objekt „Rock“ Taihu-Steine, die als bizarr geformte löchrige Felsen einzeln oder zu mehreren, chinesische Gärten zieren und in der Tradition hoch verehrt werden. Seine „Rocks“ wurden in Jingdezhen, der Hauptstadt des Porzellans in China hergestellt und können als Elemente eines formal reglementierten Landschaftsgartens als Kritik am Regime und seinem Kontrollzwang verstanden werden.

Der Künstler Ma Jun (geb. 1974 in Qingdao) verknüpft die Porzellankunst hingegen mit Konsumgütern aus dem Westen wie Cola-Dosen, TV-Geräten oder Autos. Blutige Knochen aus Porzellan erhebt er zu dekorativen Elementen, die einen Teller zieren und zugleich Mahnmal sind.

Des Weiteren werden traditionelle Landschaftsbilder gezeigt, wie sie in der chinesischen Kultur von großer Bedeutung sind. Im Westen gelten die in Tusche auf Seiden- oder Reispapier angefertigten Malereien als Inbegriff chinesischer Kunst. So verweisen die Arbeiten von Chen Baolin (geb. 1957 in Peking) und Sun Jinlong (geb. 1958 in Nanjin) auf Ideallandschaften. Ihre kalligraphischen Werke zitieren bekannte Schriften und Poesien, während sich Chen Guangwu (geb. 1967 in Liuzhou/Provinz Guangxi) nur formal an die Tradition der Kalligraphie anlehnt und seine seriell ausgeführten Zeichen von Inhalten loslöst und ins Abstrakte übersetzt. Auch Hu Kuo-Wen (geb. 1953 in Chiayi/Taiwan) bedient sich der ungegenständlichen Malerei und verweist mit seinen gestischen und texturreichen Bildern im weitesten Sinne auf die Kunst der Kalligraphie. Mit den Werken von Qiu Shihua (geb. 1940 in der Provinz Sichuan) werden ebenfalls Bezüge zur traditionellen Landschaftsmalerei gezeigt. Die zunächst als ungegenständlich, in monochromem Weiß erscheinenden Gemälde lassen bei längerem Betrachten Landschaften vor dem Auge entstehen, deren Wälder, Gebirge und Wasser sich erst langsam aus dem sie umgebenden Nebel herausbilden.

Die zeitgenössischen chinesischen Künstler nehmen Bezug auf den kulturellen Hintergrund ihres Landes und verknüpfen Techniken und Inhalte aus Ost und West. Feng Zhengjie (geb. 1968 in der Provinz Sichuan) greift mit seinen großformatigen und irritierenden Frauenportraits auf die Bildsprache der Pop-Art zurück, die Künstlerin Huang Min (geb. 1975 in Chongquing) lässt westlich gekleidete Stadtmenschen in traditionelle chinesische Miniatur-Tuschelandschaften schauen und Chang Xugong (geb. 1957 in Tangshan/Provinz Hebei) verweist mit seinen gestickten Bildern auf die lange Tradition und Bedeutung der Seidenstickerei in China. Er bildet die Vertreter der neureichen konsumorientierten Mittelschicht ab, die sich als neue Idole der kapitalistischen Gesellschaft Chinas verstehen. Der Künstler Xuan Wang (geb. 1979 in China), Stipendiat der Kunststiftung Baden Württemberg, vereint in seinen detailreichen und altmeisterlichen surrealen Bildern chinesische und europäische Motive und nimmt Bezug u.a. auf die kunsthistorisch bedeutende Stillebenmalerei der Niederländer.

Kunst als Spiegel der Gesellschaft widmet sich nicht zuletzt auch politischen Themen. So irritieren Yin Kuns (geb. 1969 in Deyang/ Provinz Sichuan) rotznäsige Babys und Kleinkinder, die er als identitätslose staatliche Funktionsträger darstellt genauso wie die traurigen und düsteren Kinder- und Tierportraits von Huang He (geb. 1977 in der Provinz Hainan), die sich anklagend an den Betrachter richten. Zhang Haiying (geb. 1972 in Songzhuang/Peking) beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit der Milieuszene und zeigt anonyme Prostituierte, die der Macht der Polizei ausgesetzt sind und Yao Yuzhong (geb. 1964 in der Provinz Shanxi), der in Peking und Lhasa lebt, macht mit seinen Gemälden auf den langanhalten Konflikt zwischen China und Tibet aufmerksam.

Die Ausstellung China – Im Spiegel der Zeit zeigt Einblicke in die facettenreiche Kunst und Kultur Chinas, vereint Gegensätzliches und macht aufmerksam auf Bezüge innerhalb der großen zeitlichen Spanne von 5 Jahrtausenden.

Druckfähige Abbildungen senden wir Ihnen auf Anfrage gerne zu oder können in Kürze auf unserer Homepage heruntergeladen werden.

Besucher-Informationen

Öffnungszeiten Di – So 10 – 17 Uhr
Öffnungszeiten Feiertage Allerheiligen 1.11.  geöffnet| 24. – 26. und  31. Dezember geschlossen | Neujahr 1. Januar ab 14.00 geöffnet | Hl. Drei Könige am 6.1. ganztägig geöffnet
Tarife 10€, ermäßigt 8€, Familientarif 20€ |Freier Eintritt mit Oberrheinischem Museumspass
Führungen
Kostenfreie öffentliche Führung bei regulärem Eintrittspreis am 2. Mittwoch im Monat ab 17 Uhr
Privatgruppen nach Voranmeldung ab 80 € zzgl. Eintritt p.P.

Pressekontakt: presse@kunsthallemessmer.de | Tel +49 (0)7642 920 162 11

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